Mittwoch, 25. Februar 2015

Bilder #5

unser leicht chaotischen Zimmer / Küche

Kochabend bei Mariella- eine Ärztin aus Holland

Nyapethi und ich <3

Carmen und ich pflanzen Samen in der Baumschule

Meine Nachbarin Nyafulirwa backt Mandazis. Manchmal helfe ich ihr dabei.

Morgens um sieben am Busdepot in Moshi

Kilimancharo (wie auch immer man den schreiben mag!?) :D

Strassenverkehr in Moshi (Tansania)

15.02.15 - Mal einen Blogeintrag „über mich“

Ich dachte es könnte mal ganz interessant für Euch sein, dass ich mal genauer darüber schreibe wie es mir in Malawi persönlich so geht. Ob ich zum Beispiel schon mal Heimweh hatte, was meine Pläne nach Malawi sind und wie es in meinem Projekt eigentlich aussieht.

Wirkliches Heimweh hatte ich bisher erstaunlicherweise noch nicht. Außer in den ersten zwei Tagen in Chilumba, wo alles sehr krass neu für mich war und ich mich gefragt habe, ob ich eigentlich verrückt bin, dass ich mir „so etwas antue“. Nachdem ich aber schnell erkannt habe, dass es in Malawi viel zu schön ist, um Heimweh zu haben, weil die meisten Leute wirklich super herzlich sind fiel es mir nicht schwer mich einzuleben. Das ist bis heute auch weiterhin der Fall! Ich habe wirklich das Gefühl angekommen zu sein und meinen Platz in Chilumba gefunden zu haben. Ich denke, dass ich die Kultur immer besser verstehe und mich dieser auch in gewissen Punkten gut anpassen kann. Ich fühle mich einfach sehr wohl hier.
Allerdings muss ich sagen, dass ich manchmal doch viel an Deutschland denke. Vor allem nachdem ich mein Rückflugdatum bekomme habe (komme am 14. August 2015 wieder), mein Zwischenseminar in Moshi (Tansania) hatte und mir langsam darüber Gedanken machen sollte, was ich eigentlich nach Malawi machen will...
Wenn ich an das Rückflugdatum denke, bin ich auf jeden Fall traurig das alles hier in Malawi zurückzulassen. Schließlich hat man sich schon irgendwie was aufgebaut. Seien es die Freundschaften, das verbesserte Unterrichten an der Schule, das vertraute Verhältnis zu den Kindern – solche Sachen einfach.
Auf der anderen Seite freue ich mich aber auch unglaublich auf Deutschland! Ich merke zum Beispiel langsam, dass es schwierig ist über E-Mail, Facebook und whatsapp wirklich Kontakt zu Familie, Freunden und Bekannten zu halten. Telefonieren ist meistens zu teuer und das Internet ist zu schlecht um zu skypen. Ich will alle endlich mal wieder „live“ sehen und direkt mit den Leuten reden – das fehlt mir etwas. Außerdem freut man sich schon auf einen gewissen „Luxus“, der mir erst hier in Malawi wirklich bewusst geworden ist. Ich glaube, dass ich so etwas schon mal am Anfang in einem Bericht erwähnt habe.
Es sind oftmals eher kleine und banale Dinge, die dennoch etwas ausmachen und worauf ich mich schon freue. Da wäre einmal, dass wir in Deutschland so gut wie nie Stromausfall haben; außerdem eine warme Dusche mit fließend Wasser haben; es gibt eine riesige Käsetheke im Supermarkt und der Käse und grundsätzlich Milchprodukte sind vergleichsweise echt nicht teuer; öffentliche Verkehrsmittel die meistens pünktlich kommen und nicht wirklich überfüllt sind; kulturelle Angebote wie Theater oder Kino; gemütlich im Schlafanzug auf dem Sofa sitzen (ohne zu schwitzen) und dabei Tatort gucken; schnelles und funktionierendes Internet; mein eigenes Bett; ein super ausgestattetes Krankenhaus; keine ekligen und giftigen Krabbeltiere; einen Backofen und einen Kühlschrank; Sprudelwasser... Das heißt jetzt nicht, dass es all diese Dinge in Malawi nicht gibt, aber zumindest in der Region wo Carmen und ich sind haben wir vieles von dem nicht.
Ich merke aber auch, dass mir manche dieser Sachen ab und zu fehlen, ich sie aber nicht zwangsläufig bräuchte. Dafür gibt es in Malawi nämlich viele andere Dinge die ich dafür niemals in Deutschland hätte und die mir sehr fehlen werden. Es ist schließlich immer „zweierlei“. In Deutschland hätte ich niemals diesen unglaublich tollen und schönen Malawisee; einen genialen Sternenhimmel; so viel Sonnenschein; viel offenere und freundlichere Menschen um mich herum – grundsätzlich mehr Lebensfreude (ist einfach mein persönlicher Eindruck); viele süße Kinder, die sich freuen einen zu sehen; eine ganz andere Natur; das Leben und geschäftige Treiben auf einem Markt; der bunte Kleidungsstil der Menschen – vor allem die Frauen, die fast alle farbenfrohe Chitenjes tragen; viel Geduld, Gelassenheit und Zeit... So herum muss man die Situation eben auch mal sehen.

Nun zu meiner Zeit nach Malawi: Pläne habe ich bisher nicht wirklich, dafür aber viele verschiedene Ideen. Ich bin mir immerhin schon mal sicher, dass ich nicht direkt zum Wintersemester anfangen möchte zu studieren. Auf studieren habe ich irgendwie noch keine Lust und fühle mich fast noch zu jung dazu... Dafür würde ich gerne erst mal etwas jobben und ein Praktikum machen. Ich hatte gedacht, dass ein Praktikum Richtung „Entwicklungsarbeit“ für mich interessant sein könnte, muss mich da aber erst mal informieren. Falls aber jemand gute Kontakte haben sollte, darf er/sie sich gerne bei mir melden! Im Januar/Februar würde ich gerne nochmal von meinem verdienten Geld verreisen – wohin ist noch offen. Bei den Studiengängen habe ich an Soziale Arbeit gedacht, Ethnologie, Soziologie, eventuell Kulturmanagement gedacht...
Wie ihr seht bin ich mir bei meinen Überlegungen noch sehr unsicher und hinter allem steht ein vielleicht. Aber gut, ich habe noch ein halbes Jahr in Malawi und man muss schließlich nicht immer direkt wissen was man will! Somit stehen mir noch alle Türen und Möglichkeiten offen.

An der Arbeit in der Schule hat sich nicht viel verändert. Ich unterrichte weiterhin meine Fächer, arbeite in der Bücherei und mache einmal die Woche zusammen mit Carmen eine Art Nachmittags AG. In der AG reden wir immer noch über Europa/Deutschland, malen und zeichnen aber auch gemeinsam mit den Schülern. Was ich seit diesem Schulterm Neues mache ist jeden Mittwoch Volleyballspielen mit den Schülern. Ursprünglich dachte ich, dass ich die Schüler ein wenig trainieren könnte, bis ich festgestellt habe, dass viele von denen viel besser spielen als ich – auch nicht schlimm, dann lerne ich eben von ihnen.

Ein ebenfalls ziemlich cooles Projekt, was schon länger am Laufen ist, ist die Baumschule von unserem Freund Keltone im Nebenort Uliwa. Keltone ist vor einigen Wochen auf Carmen und mich zugekommen, weil er unsere Hilfe für seine Baumschule brauchte. Insgesamt pflanzt er nämlich um die 3000 Bäumchen, weil Abholzung in Malawi ein großes Problem ist. Viele Leute benutzen immer noch Feuerholz aus der Umgebung zum kochen, da Kohle zu teuer ist. Er hat zusammen mit seiner Frau angefangen die Bäumchen zu pflanzen. Problem ist, dass er keinen Zaun hatte und teilweise die Schweine Sprösslinge gegessen haben und somit ein Teil der Arbeit zerstört wurde. Carmen und ich haben beim Aufbau eines neuen Zauns geholfen und das ganze Projekt ein wenig finanziell unterstützt.
Wenn die Bäume „groß genug“ sind will er diese an Schulen pflanzen lassen und somit das Umweltbewusstsein bei den jungen Leuten stärken.
Noch cooler ist, dass er das Projekt als NGO anerkennen lassen will und wir sogar Gründungsmitglieder sein könnten. Allerdings hakt es noch an ein paar formellen Dingen, die aber in zwei bis drei Monaten gelöst sein müssten. Bis dahin heißt es weiterhin fleißig Bäume pflanzen und gießen.
Eine weitere Idee von ihm ist, dass er aus Reisspelzen Briketts als neues „Feuerholz“ machen möchte. Reis wird hier viel angepflanzt, von daher würde es auch genügend Reisspelzen geben. Diese Briketts werden weitaus günstiger als Kohle und zudem viel umweltfreundlicher, da kein Holz mehr abgeholzt werden müsste. Momentan fehlt ihm aber noch das Geld, um sich eine solche Maschine, zum Herstellen der Briketts zu leisten... Sollte das mit dem Brikettverkauf tatsächlich funktionieren, könnte er sich am Ende sogar einen Großteil seines Unterhalts finanzieren.
Was wirklich toll ist, dass man bei Keltone merkt und sieht wie sehr ihm sein Projekt am Herzen liegt und er unglaublich viel Arbeit und Fleiß reinsteckt. Jedes Mal wenn wir ihn besuchen kommen, ist das Projekt ein Stückchen weiter gekommen.
Carmen und ich sind ebenfalls sehr gespannt wie sich dieses wichtige, sinnvolle und vor allem schöne Projekt weiter entwickeln wird. Wir sind jedenfalls guter Dinge!

Ihr Lieben, jetzt ist genau die Hälfte meines Freiwilligendienstes vorüber. Ich kann es oftmals selber gar nicht fassen, wie die Zeit so schnell herumgehen konnte.


Bis zum nächsten Eintrag,


Eure Carlotta

Freitag, 13. Februar 2015

13.02.15 - "Interview mit Nachbar Cliffi"

Carmen hatte irgendwann mal die Idee gehabt, ein „Interview“ mit irgendeinem Menschen aus Malawi zu machen. Diesen Einfall fand ich so schön, dass ich diese Überlegung in die Tat umgesetzt habe. Also habe ich meinen Nachbarjungen Cliffi (eigentlich heißt er Clifford) gefragt, ob er Lust hätte mir ein paar Fragen zu sich und seinem Leben in Malawi zu beantworten. Er meinte: „Warum nicht.“.
Kurze Erläuterung, warum ich ausgerechnet Cliffi ausgewählt habe: Der Grund ist, dass er so etwas wie mein bester Kumpel in Malawi ist und er ständig vorbeikommt. Sei es um nur kurz „hallo“ zu sagen, weil ihm langweilig ist oder er sein Handy aufladen möchte. Cliffi ist halt einfach immer da!


Kurz ein paar Fakten über ihn. Sein vollständiger Name ist Clifford Mwenitete und 20 Jahre alt. Insgesamt hat er zwei Schwestern und fünf Brüder.
Die Mädels heißen Malita (8 Jahre) und Passion (16 J.). Beide gehen noch auf die Primary School in St. Annes (auch ein Nebenort von Chilumba).
Die fünf Brüder heißen Obedience (25 J.), James (23 J.), Dennis (21 J.), Yuleka (15 J.) und der Jüngste der Familie ist 6 Jahre alt. Die ältesten Brüder kenne ich gar nicht, da sie außerhalb Chilumbas wohnen. Dennis geht auch auf die Tawuka Priv. Sec. School (die Schule an der ich unterrichte) und befindet sich in seinem letzten Schuljahr. Yuleka und Daniel besuchen ebenfalls noch die Primary School.
Cliffis Mama heißt Maclera Ngwira und ist seit 2007 Witwe. Sie hat einen kleinen Shop in einem Krankenhaus, womit sie ihr Geld verdient. Der Name des Vaters war Betti Mwenitete und beruflich war er als Farmer tätig.
Cliffi geht wie seine jüngeren Geschwister nach St. Annes zur Schule, allerdings auf die Secondary School. St. Annes ist innerhalb von 5 Minuten auf dem Fahrrad zu erreichen.
Seine Lieblingsfächer sind Physical Science (beinhaltet Chemie und Physik), Englisch und Agriculture.

Auf die Frage was seine Lieblingsbeschäftigung ist meinte er: „Chatten“ (also quatschen) mit Freunden, zur Kirche gehen und schlafen. Bei der Aussage mit dem Schlafen musste er lachen.

Eine andere Frage von mir war: „Cliffi, wenn du Deutschland hörst, was sind die ersten Begriffe, die dir dazu einfallen?“. Seine Antwort. „Großes Land, reiches Land und nette Leute.“.
Ich glaube fast jeder Malawier würde eine ganz ähnliche Äußerung über Deutschland machen. Vielleicht nicht unbedingt, dass wir alle nette Leute sind, aber definitiv, dass Deutschland ein reiches Land ist. Grundsätzlich denken die meisten Malawier das alle „Mzungus“ (so nennen sie die Weißen) sehr wohlhabend sind.

Nächste Frage: „Was würdest du mit 50.000 Kwacha (Währung in Malawi) machen?“. Umgerechnet sind 50.000 Kwacha etwa 100€ und hier in Malawi für die meisten Menschen unglaublich viel Geld!
Seine Antwort war ziemlich eindeutig: „Schulgebühren, Schulmaterialien und grundsätzlich was für die Schule notwendig ist davon bezahlen.“
Kurze Anmerkung – vielleicht habe ich es aber auch schon einmal erwähnt. In Malawi ist die Primary School (sozusagen Grundschule) umsonst. Für die meisten Secondary Schools (weiterführende Schule) muss man Schulgebühren zahlen.
Auf meine Nachfrage hin, ob er das Geld nicht lieber für sich selber verwenden würde, wie z.B. ein neues Handy oder vielleicht auch was zum Anziehen kaufen, meinte er ziemlich ernst, dass er sein Geld wirklich nur für die Schule ausgeben würde. Ich denke das sagt schon ziemlich viel aus, wie wichtig es für ihn ist zur Schule zu gehen.

Es ist einfach nicht selbstverständlich auf eine weiterführende Schule gehen zu können, einfach weil sich das nicht jedermann leisten kann.

Frage: „Cliffi, was würdest du gerne in Malawi verändern bzw. verbessern?“. Die Frage ist ihm meines Erachtens nicht ganz leicht gefallen, weil er sich darüber vorher noch nie Gedanken gemacht hat. Nach etwas überlegen und ein paar Anregungen meinerseits war er für mehr „Education“. Er hätte gerne mehr gut bezahlte Jobs, sodass jeder reich sein kann – das würde er sich wünschen. Außerdem fände er es super, wenn es mehr Möglichkeiten zum Reisen geben würde. Also das zum Beispiel mehr Trips/ Ausflüge von der Schule angeboten werden würden. Mehr konnte er mir zu dieser Frage nicht erzählen.

Was mich gewundert hat, dass er lange gebraucht hat, um mir eine Antwort auf die Frage zu geben, wie er sich eigentlich seine Zukunft vorstellt und ob er irgendwelche Wünsche hat. Er würde gerne einen Job finden – zum Beispiel Autos reparieren. Außerdem möchte er eine Frau und vier Kinder haben. Näher an einer Stadt zu leben wäre auch nicht schlecht. Sein Grund: Das Leben in der Stadt ist besser. Aber an sich hat er keine Träume für die Zukunft, weil er sich einfach noch keine Gedanken über seine Zukunft gemacht hat.

Ich:„Cliffi, möchtest du noch irgendetwas zum Abschluss sagen?“
Er:„Ja, ganz liebe Grüße an deine Leute in Deutschland. Außerdem kannst du ihnen sagen, dass das Leben manchmal ganz schön taff sein kann in Malawi.“
Ich: „Inwiefern?“
Er: „Sich zum Beispiel die Schulgebühren für die ganze Familie leisten zu können. Besonders für die jüngeren Geschwister.“
Wir sind danach etwas „ins Reden gekommen“ und das Interview war nicht mehr so sehr „Frage-Antwort-mäßig“.
Ich wollte gerne von ihm wissen, inwiefern er sich eigentlich für seine Geschwister verantwortlich fühlt. Vom Gefühl her hat er seines Erachtens nicht so viel Verantwortung, hauptsächlich die Mutter.
Oftmals ist es wohl sehr hart für die Mutter auf so viele Kinder aufzupassen, genug Essen für alle zu besorgen und jedem etwas zum Anziehen zu kaufen. An dieser Stelle würde ich gerne nochmal darauf „hinweisen“, dass diese Frau das Familienleben komplett alleine managed. Ich habe kürzlich erfahren, dass einer von ihren Söhnen noch nicht mal ihr leiblicher Sohn ist, sondern sie ihn sozusagen adoptiert hat. Ich kenne fast alle ihre Kinder und jeder von ihnen ist unglaublich wohl erzogen und sehr bescheiden. Ich finde das muss man auch erst mal meistern.
Cliffi sagt über seine Mama, dass sie einen guten Charakter hat. Wenn die Kinder etwas falsch machen und es weder für sie noch für die Kinder gut ist weist sie sie zurecht.
Am meisten liebt Cliffi seine Mama, wenn er neue Klamotten bekommt, was wohl sehr selten ist! Er mag neue Klamotten einfach total – warum? „To look special!“ lautete seine Antwort. Auf meine Frage, ob er dadurch seinen Stil verbessern kann musste er herzlich lachen.

„War das Interview eigentlich seltsam für dich Cliffi?“ Ja, dass war es für ihn irgendwie schon (wieder am lachen). Schließlich war es sein erstes Interview und ich war ungewohnt ernst und habe vorher noch nie so „tiefgründige“ Fragen gestellt.

DANKE Cliffi!



Was ich hierzu noch gerne als Fazit/ Abschluss sagen würde ist Folgendes:
Am Anfang habe ich mich selber gewundert, warum Cliffi so „schlecht“ auf die Frage antworten konnte, was er für Träume und Wünsche für seine Zukunft hat. Aus Deutschland bin ich gewöhnt, dass Kindergartenkinder voller Inbrunst sagen: „Ich werde Feuerwehrmann.“ Ein anderes Mädchen ist sich sicher, dass sie später auf jeden Fall eine Tierärztin im Zoo sein möchte.
Nach dem Abi heißt es dann: „Mh, weiß gar nicht wirklich was ich eigentlich nach der Schule machen möchte. Ausbildung ist öde, Studium kompliziert, ein FSJ im Ausland ist mir zu weit weg und die ganze Zeit in meiner Heimatstadt zu arbeiten ist auf Dauer auch nicht das Wahre.“ So habe ich es von vielen Mitschülern mitbekommen und auch ich stehe jetzt bald vor der Entscheidung: Was will ich eigentlich nach Malawi machen??!

Ich habe keine Ahnung, weil ich mich nicht entscheiden kann und ich so viele unterschiedliche Ideen/Möglichkeiten habe.
Eben habe ich mich mit Carmen darüber unterhalten in was für einer „Luxussituation“ wir uns eigentlich befinden, dass wir überhaupt eine so große Auswahl haben, was wir in unserer Zukunft machen können und wollen.


Und nun zurück zu meinem Interviewpartner, warum sollte sich Cliffi auch wirklich ernsthaft Gedanken über seine Zukunft machen, wenn er sich gerade so und teilweise auch gar nicht die Schulgebühren leisten kann. Die wenigsten Schüler wissen, wie man einen Laptop/ Computer betätigt und was für eine anständige Bewerbung wirklich wichtig ist. Ein weiteres Problem ist, dass es auf dem Land und grundsätzlich in Malawi ein katastrophales Jobangebot gibt. Wenn überhaupt gibt es  anständige Jobs in der Stadt. Doch die Busfahrt in die Stadt muss man sich erst mal leisten können... Wie ihr sehen könnt, kommen ganz viele kleine Faktoren zusammen, die einem das Leben hier nicht immer einfach machen.
Bedenkt aber bitte mal wieder, dass es nicht jedem Menschen in Malawi so „ergeht“ wie Cliffi. Dennoch glaube ich, dass es hier bei vielen jungen Menschen so ist. Das Traurigste an der Sache ist, dass sie noch nicht mal was dafür können...

Noch kurz was ganz anderes: Vom 3.-8. Februar werden meine Mitfreiwilligen aus Malawi und ich nach Tansania (Moshi) zu unserem Zwischenseminar reisen. Dieses Seminar ist von „weltwärts“ vorgeschrieben und man muss dort hin – ich freue mich schon sehr!! Das tolle ist, dass wir dort auch auf die anderen Freiwilligen unserer Organisation aus Tansania und Kenia treffen. Werden so um die 20-30 Leute sein.
Doof ist nur, dass die Reise dort hin um die drei bis vier Tage dauert Ich bin mir aber sicher, dass es sich lohnt – schließlich müsste ich den Kilimandscharo sehen!

Eure Carlotta!

Donnerstag, 15. Januar 2015

01.01.15 - Examen, Tansania, Weihnachtszeit

Hallo mal wieder liebe Blogleser!
Zuerst wünsche ich Euch allen ein frohes neues Jahr 2015 und hoffe, dass ihr alle schön reingefeiert habt und ebenfalls auch ein besinnliches Weihnachtsfest hattet!
Nach langer Zeit melde ich mich mal wieder und muss sagen, dass meine Weihnachtszeit in diesem Jahr 2014 ziemlich anders ausgefallen ist als sonst. Ich verbinde sie mit viel Hitze und Sonnenschein- v.a. Aber mit schwitzen. Ohne Witz, ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie heiß es hier war!!!
Seitdem wir aber aus Tansania wiedergekommen sind ist es viel besser geworden, weil wir jetzt viel Regen haben. Meistens regnet es gegen Abend, was ganz praktisch ist, nur leider fällt somit sehr oft der Strom aus aus - das nervt etwas... In den zwei Wochen in denen wir in Tansania waren ist es einfach unglaublich grün in Chilumba geworden. Alles sprießt und gedeiht.
Ich hatte ja erzählt, dass vor den Weihnachtsferien Examen geschrieben wurden. Für die Fächer in denen ich unterrichte musste ich selber die Klassenarbeiten konzipieren und leider auch korrigieren. Seit dem kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich definitiv keine Lehrerin werden! Die Ergebnisse waren leider nicht so gut. Man hat mal wieder festgestellt, dass die Schüler immer noch große Probleme in der Schule haben. Seien es Grundlagen wie Lesen und Schreiben und allgemein das Verständnis von Englisch. Ich habe aber auch bei mir selber festgestellt, dass ich im ersten Schulterm zu schnell unterrichtet habe und die Schüler somit z.T. Überfordert waren. Das hauptsächliche Problem fängt aber oftmals in der Primary School an (dauert 8 Jahre). Jedes Kind soll in Malawi zur Primary School gehen – so wird es von der Regierung vorgesehen – daher müssen die Eltern kein Schulgeld zahlen. Da es aber in Malawi extrem viele junge Kinder und Jugendliche gibt, sind die Klassenräume oftmals total überfüllt. In den Räumen sitzen teilweise um die 100 Schüler. Logischerweise kann in diesem Falle nicht auf jeden Einzelnen geachtet werden und die meisten Schüler haben große Konzentrationsprobleme. Zu dem kommt noch hinzu, dass die Lehrer meistens nicht auf Englisch, sondern in der lokalen Sprache (hier Tumbuka) unterrichten. Kommen die Schüler also an die Secondary School (dauert 4 Jahre) sind sie mit dem Englisch komplett überfordert, denn dort wird Englisch vorgesehen.
Da haben Carmen und ich schon eine kleine Aufgabe zu meistern und es ist auch schade, weil man somit nicht richtig mit den Schülern zusammen arbeiten kann, bzw. kommen Schüler gut mit dem Unterricht klar und andere verstehen nur „Bahnhof“. Ich denke und hoffe aber, dass sich das mit der Zeit bessern wird und die Schüler sich immer mehr ans Englische gewöhnen – ich halte Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.

Und nun zu meinen Weihnachtsferien!
Angefangen haben sie am 11. Dezember 2014 und enden werden sie am 4. Januar 2015.
Carmen, Johanna und ich haben uns dazu entschieden nach Tansania zu reisen. Einen wirklichen Plan hatten wir allerdings nicht. Wir hatten uns ein bisschen war im Internet durchgelesne und ein paar Adressen raus geschrieben – das war es aber auch schon.
Am 16. Dezember haben wir morgens einen Minibus nach Karonga genommen (~1 ½ std.), weiter ging es mit einem anderen Bus zur tansanischen Grenze (1 std.) und dann nochmal 4 Stunden nach Mbeya. Dort haben wir eine Nacht geschlafen. Am nächsten Morgen sollte eigentlich unser Reisebus nach Dar es Salaam um 6:00 Uhr morgens losfahren – leider kam er erst gegen 7:30 Uhr. Nach Dar es Salaam sind es aber um die 12 Stunden Busfahrt. Dort in der Dunkelheit anzukommen ist nicht ganz ungefährlich, vor allem wenn man nicht weiß, wo man schlafen wird und sich nicht auskennt. Also sind wir noch eine Nacht in Morogoro geblieben. Vor Morogoro liegt der „Mikumi Nationalpark“., der mit dem Bus durchquert wird. Auf der Hinfahrt habe ich einfach Zebras, verschiedene Antilopen und zwei Wasserbüffel am Straßenrand gesehen. Auf unserer Rückfahrt kamen sogar noch Giraffen und Gnus hinzu. Das war echt ein kleines Highlight – nur leider ist der Bus zu schnell gefahren, sodass man keine Fotos machen konnte...
Nun zu der genialen und riesigen Stadt Dar es Salaam in der wir drei Nächte verbracht haben und reichlich durch die Hitze gelatscht sind. Wir haben viel unternommen und einiges gesehen – unter anderem das Nationalmuseum, in dem man etwas über die Kolonialzeit in Tansania erfahren konnte; wir waren auf dem Fischmarkt und dem „Kariakoo“ Market, wo man alles mögliche bekommen konnte – besonders aber frisches Obst; dann sind wir noch durch einen kleinen Park gelaufen, wo wir kleine Affen gefüttert haben; außerdem waren wir auf einem Parkdeck, um einen Überblick von Dar zu haben. Diese Stadt ist echt groß und hat angeblich mehr Einwohner als Berlin. An jeder Ecke werden neue Gebäude gebaut, unter anderem reichlich Hochhäuser. Wenn man vorher die ganze Zeit in Malawi gewesen ist, wo die Hauptstadt Lilongwe vielleicht gerade mal 400.000 Einwohner hat ist Tansania mit Dar schon ein enormer Unterschied und sehr beeindruckend.
Grundsätzlich unterscheiden sich Malawi und Tansania in vielen Dingen, obwohl die Länder direkt aneinandergrenzen. Es sind allerdings grobe Eindrücke von mir, schließlich war ich nur um die 2 Wochen in Tansania und war hauptsächlich in den großen Städten des Landes. Die Kultur in so kurzer Zeit kennen zu lernen ist schlichtweg unmöglich, außerdem ist das Land unglaublich riesig und sehr vielfältig.
Ich kann aber sagen, dass Tansania schon in gewissen Punkten weiterentwickelt ist als Malawi. Ein Beispiel ist das Bussystem. Es gibt um einiges mehr und besser ausgestattete Reisebusse. Viele von dieses haben „europäischen“ Standard. Oder alleine als wir die Grenze von Malawi nach Tansania überquert haben, habe ich sofort gemerkt, dass ich in einem anderen Land bin. Die “Machart“ der Verkaufsstände und Läden die es überall gibt waren auf einem ganz anderen „Niveau“. Nicht nur, dass es eine größere Produktauswahl gab, sondern der  Standard war auch besser. Es ist unglaublich schwierig Euch möglichst gut meine Eindrücke deutlich zu machen, wenn ihr selber noch nie in diesen Ländern ward und es Euch nur schwer vielleicht auch gar nicht vorstellen könnt...
In einem älteren Bericht hatte ich Euch von den „Fahrradtaxen“ erzählt, die man in Malawi überall findet. In Tansania nutzt man stattdessen Motorräder.
In den Gästehäusern wo man zum Teil für eine nach nur etwa 5 Euro bezahlt ist alles gefliest, man hat ein eigenes Bad mit fließend Wasser und in jedem Zimmer gibt es nicht nur einen Ventilator, sondern auch einen Fernseher. Ihr werdet jetzt wahrscheinlich denken, dass solch ein Maßstab selbstverständlich ist, aber die meisten freiwilligen von uns in Malawi haben all das nicht.
Nun aber genug mit Vergleichen aufstellen und weiter zum Urlaub. Vom 21. - 28. Dezember waren wir auf der traumhaften Insel Sansibar. Was ein Glück konnten wir noch einen Schlafplatz von dar es Salaam aus organisieren. Wir sind in der „Baby Bush Lodge“ in Mordosten der Insel unterkommen und waren nur etwa um die 30 Meter vom indischen Ozean entfernt. Tatsächlich sah das Meer und der Strand wie in einem Reisekatalog aus!
Den Großteil unserer Zeit auf Sansibar haben wir auch einfach mal entspannt und die freie Zeit genossen. Schön war auch, dass wir in der Lodge ein cooler Trupp aus jungen Leuten waren, die von überall herkamen. Mit denen haben wir uns gut verstanden und öfters was unternommen. Unter anderem eine Schnorcheltour, wo wir ganz tolle bunte Fische und Seesterne gesehen haben.
Weihnachten war ebenfalls mal was Neues. Am Mittag hatten drei Mädels aus Dänemark einen „Weihnachtsbaum“ aus Sand gebaut und gegen Abend sind fast alle aus der Lodge zusammengekommen und sind um den Weihnachtsbaum getanzt und währendessen wurden Weihnachtslieder gesungen. Das ist wohl eine Tradition aus Dänemark und Norwegen. Am Abend saßen wir alle nett beisammen und haben in der Lodge lecker Buffet gegessen. Dennoch muss ich sagen, dass ich mich schon auf das Weihnachten in Deutschland mit meiner lieben Familie freue. Das gefällt mir irgendwie besser!
Das waren so ungefähr die wichtigsten Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen aus Tansania. Es war wirklich ein sehr schöner Urlaub! Möchte auf jeden Fall unglaublich gerne nochmal nach Tansania reisen. Das Land hat mich sehr fasziniert!

Bald beginnt wieder die Schule! Was es dort so für Entwicklungen und Veränderungen geben wird, lasse ich Euch in meinem nächsten Eintrag erfahren.

Bis dahin nur das Beste, Eure Carlotta

Samstag, 10. Januar 2015

Bilder #4

Unser schönes Plumpsklo
Die Lehrerschat und ich
Dar es Salaam
Die Reise kann los gehen!
Unser diesjähriger Weihnachtsbaum

Dienstag, 9. Dezember 2014

02.12.14 - Eindrücke & Erlebnisse


In diesem Blogeintrag möchte ich Euch gerne mal ganz unterschiedliche Eindrücke und Erlebnisse erzählen, die ich so in den letzten Wochen gemacht habe. Schließlich bin ich ja schon 3 1/2 Monate unterwegs.

1.) Die Regenzeit beginnt langsam in Malawi und teilweise gibt es echt heftige Regengüsse. In dieser Zeit fangen die Leute an den Acker zu pflügen, damit sie anschließend säen können. Hierbei hilft die ganze Familie mit. Selbst die kleineren Kinder müssen vor der Schule (also etwa 6:00 Uhr) auf dem Feld arbeiten, damit die ganze Arbeit bewältigt werden kann. Die meisten Leute in Malawi leben von Subsistenzwirtschaft und jeder hat sein eigenes Land, um Cassava, Mais und andere Dinge anzupflanzen.


2.) Mega cool, ein "Mädchentraum" ist für mich in Erfüllung gegangen! Endlich darf ich nicht nur mir, sondern auch Jungs die Nägel lackieren! Meine Nachbarjungs fahren total darauf ab, weil in Malawi gibt es einige, die sich Nagellack nicht leisten können und somit ist es etwas Besonderes Nagellack zu tragen - auch für Jungs!

3.) Kürzlich (29.-30.11.) war ich mit ein paar Freiwilligen im "Vwaza Gamereserve" um Elefanten zu sehen, nur leider sind wir auf keine getroffen... Dafür habe ich Hippos, Warzenschweine und ganz viele verschiedenen Antilopenarten gesehen! Um dort hinzukommen, haben wir uns ein Auto mit Fahrer gemietet. Das war so angenehm, weil wir sonst immer mit dem Minibus durch die Gegend reisen müssen.
 

4.) Endlich weiß ich wie man Nsima kocht! Eigentlich müsste ich schon mal erwähnt haben, was Nsima ist - zur Sicherheit erzähle ich es aber nochmal. Nsima ist sowas wie das malawische "Nationalgericht" und wird hier jeden Tag gegessen, weil Reis, Kartoffeln oder ähnliches oftmals einfach zu teuer ist.Es besteht aus Wasser und Mehl - entweder vom Mais oder der Wurzel Cassava. Das Mehl wird so lange in das heiße Wasser eingerührt, bis eine feste breiige Masse entsteht. Ist gar nicht mal so unanstrengend. Nsima schmeckt soweit nach nichts, weshalb es immer irgendeine Beilage dazu gibt - es macht unglaublich satt!!
 

 5.) Ach ja, was wäre ein Blogeintrag, ohne das Wetter zu erwähnen! Wie schon am Anfang gesagt, beginnt langsam die Regenzeit, dennoch ist es unglaublich warm. Vor allem abends, wenn man schlafen will. Das Haus erhitzt sich durch das Wellblechdach einfach unglaublich. Es ist so seltsam für mich, wenn ich mit meinem Papa telefoniere und er mir davon erzählt, dass er gerade den Kamin angemacht hat und langsam die Weihnachtszeit beginnt. Carmen hat von ihren Eltern Weihnachtsgebäck zugeschickt bekommen, was wir ab und zu ganz andächtig essen, um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Dennoch sind wir davon meilenweit entfernt.
Es ist aber interessant zu sehen, dass mir die ganzen Weihnachtstraditionen aus Deutschland schon ein wenig fehlen. Besonders fehlt mir aber die "deutsche Gemütlichkeit", wenn ihr wisst was ich meine. :)
6.) Das wird wahrscheinlich erst mal der letzte Blogeintrag im Jahr 2014 sein, weil Carmen, Johanna und ich in den Weihnachtsferien nach Tansania an die Küste reisen wollen. Als Ziel haben wir uns die Hauptstadt Dar es Salaam gesetzt und hoffentlich Sansibar - das steht aber noch nicht ganz fest... Die Ferien enden am 4. Januar 2015 und dann beginnt "Term2". "Terms" sind sowas wie Schulhalbjahre, nur dass es hier in Malawi davon drei gibt.
 

Das wars'! Ich wünsche Euch allen eine frohe und gesegnete Weihnachtszeit. Gebt Euch nicht all zu sehr dem Weihnachtsstress hin und versucht die besinnliche Zeit zu genießen. Esst mal ein paar Weihnachtskekse für mich mit!!
 

Wie immer beste Grüße,
Carlotta


Samstag, 22. November 2014

Bilder #3


Meine "kleine" Klasse

3 Vögel auf Safari-Tour


 

Die Bücherei

Unsere neue Mitbewohnerin MOONY

Mangosaison

Der Ort Chitimba

Typischer Nachmttag: Mango essen und Bao spielen!

 

Der ganze Freiwilligentrupp

Sunset



11.11.14 - Öffentliche Verkehrsmittel in Malawi

Kürzlich (31.10.-03.11.) sind Carmen und ich für ein Wochenende nach Salima gefahren, weil dort eine Party von unseren Mitfreiwilligen stattfand und wir uns das Geschehen natürlich nicht entgehen lassen wollten. Salima ist für malawische Verhältnisse eine Stadt und liegt im Süden des Landes. Von unserem Ort Chilumba bis dorthin sind es etwa grob geschätzt um die 600km- also nicht gerade um die Ecke.
Die Feier fand im „Kuti Wildlifereserve“ statt - ohne gefährliche Tiere, dafür aber mit Strauß, Zebra und Co. War ziemlich amüsant die Feier, die Rückfahrt eher nicht so! Auf der Hinfahrt hatte zum Glück alles funktioniert, aber auf dem Rückweg wollte es nicht so recht.
Wir sind extra um 5:00 Uhr aufgestanden (nach etwa 1std. Schlaf), gefrühstückt und haben um 6:00 Uhr ein Fahrradtaxi zum Busdepot genommen. Bei einem Fahrradtaxi setzt man sich hinten auf den Gepäckträger (ist sogar gepolstert) und lässt sich durch die Gegend gurken- äußerst praktisch! 
Am Busdepot angekommen, stand auf einem Schild eines Busunternehmen, dass um 7:40 Uhr ein Bus nach Mzuzu fährt. Mzuzu ist nicht all zu weit von Chilumba entfernt und somit die nächst größere Stadt. Also ideal für Carmen und mich! 5 min. später kam ein Mann vom Busdepot zu uns und meinte: „Dieses Schild ist nicht mehr aktuell, der Bus kommt nicht. Etwa um 12:00 Uhr könnte ein Bus kommen, der nach Mzuzu fährt.“ Alleine die Worte „etwa“ und „könnte“ haben uns klar gemacht, dass wir uns auf diese Aussage lieber nicht verlassen sollten.
Also haben wir einen Minibus nach Lilongwe (Malawis Hauptstadt) genommen, weil von dort aus gute Möglichkeiten bestehen, einen größeren Reisebus nach Mzuzu zu bekommen. Diese Fahrt ging etwa um halb neun los, auch wenn wir schon um halb acht im Minibus saßen.
Man muss sich das folgendermaßen vorstellen, wenn man mit einem Minibus fährt: Ein Minibus ist ein Kleinbus  mit vier bis fünf Sitzreihen. In Deutschland würde man vielleicht höchstens 10 Insassen reinlassen. In Malawi sieht das etwas anders aus. Hier bietet ein Minibus Platz für 10-25 Personen, zwei riesige Maismehlsäcke, hier und da noch ein Huhn und was sonst noch an Gepäck transportiert werden muss. Beim Minibusfahren gibt es eine Faustregel: Setze dich niemals in einen leeren Bus rein, weil ein Bus erst losfährt wenn er komplett gefüllt ist und jede freie Ecke sinnvoll genutzt wurde. Jede Minibusfahrt ist somit ein kleines Erlebnis - jedoch beschwert man sich danach immer über Poposchmerzen, weil der Komfort eher zu wünschen übrig lässt. Schön ist auch, wenn man eine „Klischee Big - Mama“ neben sich sitzen hat, da besteht für den eigenen Hintern nicht mehr all zu viel Platz.
Nun aber zurück zu unserer Fahrt nach Lilongwe. Zum Glück hat alles funktioniert und wir sind um halb elf angekommen. In Lilongwe haben wir sogar direkt einen großen Reisebus gefunden (Minibus würde zu lange dauern) und die zwei letzten Sitzplätze bekommen. Carmen und ich super erleichtert, weil wir dachten es geht gleich los – Pustekuchen! Nach 1 ½ std. sind wir erst losgekommen. Schließlich kann man ja noch den Gang im Bus als Stauraum nutzen und reichlich Menschen dort hinstellen. Viele Menschen bedeutet automatisch mehr Geld. Auf Sicherheit wird da nicht unbedingt geachtet.
Schon als wir losgefahren sind hat bei dem Bus die ganze Zeit ein Lämpchen aufgeleuchtet und ein Signal laut gepiept. Hat den Busfahrer jedoch nicht so gestört. Gegen 17:00 Uhr (kurz vor Einbruch der Dunkelheit) musste der Bus plötzlich stoppen. Der Grund war, dass es Probleme mit den Bremsen gab. Nach kurzer Zeit konnte es dann aber doch weiter gehen, nur leider hat der Bus nach ungelogen 20m wieder angehalten, weil diesmal kein Sprit im Tank war.
Was also tun? Einfach mit den anderen Mitfahrern einen großen Laster anhalten und sich hinten auf die Laderampe setzen und damit 3 std. nach Mzuzu fahren. Dadurch das es dunkel war und wir starken Fahrtwind hatten war es extrem kalt. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich hier eines Tages noch mal in Malawi frieren werde...
Gegen sieben/acht Uhr waren wir endlich da! Ein Weiteres Problem trat auf: Die Akkus unserer Handys waren leer. Da haben wir einen Mitfahrer gefragt, ob wir doch mal bitte sein Handy benutzen dürfen. Der Herr kam aus Kenia und konnte was ein Glück gutes Englisch. Mit dem Handy haben wir „BB“ angerufen. „BB“ ist der Bruder von unserem Schuldirektor und wohnt in Mzuzu – zu ihm haben wir einen echt guten Draht. Was ein Glück konnte er uns abholen, hat jedoch auch nochmal um die 10 min. gedauert.
An der Stelle (Nähe vom Busdepot) wo wir ausgelassen wurde war leider kaum noch ein Mensch. Man stelle sich vor: zwei blonde Mädchen, mit zwei großen Rucksäcken und etwas verlorenen Gesichtern. In der Dunkelheit und so ganz alleine haben wir uns nicht unbedingt sicher gefühlt. Ab und zu haben uns auch ein paar fremde Männer angesprochen. Was ein Glück kam der Kenianer (der mit dem Handy) kurze Zeit später zurück, weil er meinte, dass man zwei junge weiße Mädels in der Dunkelheit nicht alleine lassen könnte. Er hatte nämlich bei den Männer die uns angesprochen hatte kein gutes Gefühl und hatte große Sorge, dass sie uns hätten überfallen können.
Was ein Glück ist der Kenianer bis zu dem Zeitpunkt bei uns geblieben als BB mit dem Auto angekommen ist. Ich glaube, wäre der Kenianer nicht bei uns geblieben, hätte die Situation ganz anders ausgehen können...
Das war echt ein anstrengender Tag und ich war super erleichtert, als wir sicher in Bbs Haus angekommen sind. Solch einen 14 stündigen Trip brauche ich echt nicht nochmal!
War aber definitiv eine Erfahrung wert!