Donnerstag, 15. Januar 2015

01.01.15 - Examen, Tansania, Weihnachtszeit

Hallo mal wieder liebe Blogleser!
Zuerst wünsche ich Euch allen ein frohes neues Jahr 2015 und hoffe, dass ihr alle schön reingefeiert habt und ebenfalls auch ein besinnliches Weihnachtsfest hattet!
Nach langer Zeit melde ich mich mal wieder und muss sagen, dass meine Weihnachtszeit in diesem Jahr 2014 ziemlich anders ausgefallen ist als sonst. Ich verbinde sie mit viel Hitze und Sonnenschein- v.a. Aber mit schwitzen. Ohne Witz, ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie heiß es hier war!!!
Seitdem wir aber aus Tansania wiedergekommen sind ist es viel besser geworden, weil wir jetzt viel Regen haben. Meistens regnet es gegen Abend, was ganz praktisch ist, nur leider fällt somit sehr oft der Strom aus aus - das nervt etwas... In den zwei Wochen in denen wir in Tansania waren ist es einfach unglaublich grün in Chilumba geworden. Alles sprießt und gedeiht.
Ich hatte ja erzählt, dass vor den Weihnachtsferien Examen geschrieben wurden. Für die Fächer in denen ich unterrichte musste ich selber die Klassenarbeiten konzipieren und leider auch korrigieren. Seit dem kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich definitiv keine Lehrerin werden! Die Ergebnisse waren leider nicht so gut. Man hat mal wieder festgestellt, dass die Schüler immer noch große Probleme in der Schule haben. Seien es Grundlagen wie Lesen und Schreiben und allgemein das Verständnis von Englisch. Ich habe aber auch bei mir selber festgestellt, dass ich im ersten Schulterm zu schnell unterrichtet habe und die Schüler somit z.T. Überfordert waren. Das hauptsächliche Problem fängt aber oftmals in der Primary School an (dauert 8 Jahre). Jedes Kind soll in Malawi zur Primary School gehen – so wird es von der Regierung vorgesehen – daher müssen die Eltern kein Schulgeld zahlen. Da es aber in Malawi extrem viele junge Kinder und Jugendliche gibt, sind die Klassenräume oftmals total überfüllt. In den Räumen sitzen teilweise um die 100 Schüler. Logischerweise kann in diesem Falle nicht auf jeden Einzelnen geachtet werden und die meisten Schüler haben große Konzentrationsprobleme. Zu dem kommt noch hinzu, dass die Lehrer meistens nicht auf Englisch, sondern in der lokalen Sprache (hier Tumbuka) unterrichten. Kommen die Schüler also an die Secondary School (dauert 4 Jahre) sind sie mit dem Englisch komplett überfordert, denn dort wird Englisch vorgesehen.
Da haben Carmen und ich schon eine kleine Aufgabe zu meistern und es ist auch schade, weil man somit nicht richtig mit den Schülern zusammen arbeiten kann, bzw. kommen Schüler gut mit dem Unterricht klar und andere verstehen nur „Bahnhof“. Ich denke und hoffe aber, dass sich das mit der Zeit bessern wird und die Schüler sich immer mehr ans Englische gewöhnen – ich halte Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.

Und nun zu meinen Weihnachtsferien!
Angefangen haben sie am 11. Dezember 2014 und enden werden sie am 4. Januar 2015.
Carmen, Johanna und ich haben uns dazu entschieden nach Tansania zu reisen. Einen wirklichen Plan hatten wir allerdings nicht. Wir hatten uns ein bisschen war im Internet durchgelesne und ein paar Adressen raus geschrieben – das war es aber auch schon.
Am 16. Dezember haben wir morgens einen Minibus nach Karonga genommen (~1 ½ std.), weiter ging es mit einem anderen Bus zur tansanischen Grenze (1 std.) und dann nochmal 4 Stunden nach Mbeya. Dort haben wir eine Nacht geschlafen. Am nächsten Morgen sollte eigentlich unser Reisebus nach Dar es Salaam um 6:00 Uhr morgens losfahren – leider kam er erst gegen 7:30 Uhr. Nach Dar es Salaam sind es aber um die 12 Stunden Busfahrt. Dort in der Dunkelheit anzukommen ist nicht ganz ungefährlich, vor allem wenn man nicht weiß, wo man schlafen wird und sich nicht auskennt. Also sind wir noch eine Nacht in Morogoro geblieben. Vor Morogoro liegt der „Mikumi Nationalpark“., der mit dem Bus durchquert wird. Auf der Hinfahrt habe ich einfach Zebras, verschiedene Antilopen und zwei Wasserbüffel am Straßenrand gesehen. Auf unserer Rückfahrt kamen sogar noch Giraffen und Gnus hinzu. Das war echt ein kleines Highlight – nur leider ist der Bus zu schnell gefahren, sodass man keine Fotos machen konnte...
Nun zu der genialen und riesigen Stadt Dar es Salaam in der wir drei Nächte verbracht haben und reichlich durch die Hitze gelatscht sind. Wir haben viel unternommen und einiges gesehen – unter anderem das Nationalmuseum, in dem man etwas über die Kolonialzeit in Tansania erfahren konnte; wir waren auf dem Fischmarkt und dem „Kariakoo“ Market, wo man alles mögliche bekommen konnte – besonders aber frisches Obst; dann sind wir noch durch einen kleinen Park gelaufen, wo wir kleine Affen gefüttert haben; außerdem waren wir auf einem Parkdeck, um einen Überblick von Dar zu haben. Diese Stadt ist echt groß und hat angeblich mehr Einwohner als Berlin. An jeder Ecke werden neue Gebäude gebaut, unter anderem reichlich Hochhäuser. Wenn man vorher die ganze Zeit in Malawi gewesen ist, wo die Hauptstadt Lilongwe vielleicht gerade mal 400.000 Einwohner hat ist Tansania mit Dar schon ein enormer Unterschied und sehr beeindruckend.
Grundsätzlich unterscheiden sich Malawi und Tansania in vielen Dingen, obwohl die Länder direkt aneinandergrenzen. Es sind allerdings grobe Eindrücke von mir, schließlich war ich nur um die 2 Wochen in Tansania und war hauptsächlich in den großen Städten des Landes. Die Kultur in so kurzer Zeit kennen zu lernen ist schlichtweg unmöglich, außerdem ist das Land unglaublich riesig und sehr vielfältig.
Ich kann aber sagen, dass Tansania schon in gewissen Punkten weiterentwickelt ist als Malawi. Ein Beispiel ist das Bussystem. Es gibt um einiges mehr und besser ausgestattete Reisebusse. Viele von dieses haben „europäischen“ Standard. Oder alleine als wir die Grenze von Malawi nach Tansania überquert haben, habe ich sofort gemerkt, dass ich in einem anderen Land bin. Die “Machart“ der Verkaufsstände und Läden die es überall gibt waren auf einem ganz anderen „Niveau“. Nicht nur, dass es eine größere Produktauswahl gab, sondern der  Standard war auch besser. Es ist unglaublich schwierig Euch möglichst gut meine Eindrücke deutlich zu machen, wenn ihr selber noch nie in diesen Ländern ward und es Euch nur schwer vielleicht auch gar nicht vorstellen könnt...
In einem älteren Bericht hatte ich Euch von den „Fahrradtaxen“ erzählt, die man in Malawi überall findet. In Tansania nutzt man stattdessen Motorräder.
In den Gästehäusern wo man zum Teil für eine nach nur etwa 5 Euro bezahlt ist alles gefliest, man hat ein eigenes Bad mit fließend Wasser und in jedem Zimmer gibt es nicht nur einen Ventilator, sondern auch einen Fernseher. Ihr werdet jetzt wahrscheinlich denken, dass solch ein Maßstab selbstverständlich ist, aber die meisten freiwilligen von uns in Malawi haben all das nicht.
Nun aber genug mit Vergleichen aufstellen und weiter zum Urlaub. Vom 21. - 28. Dezember waren wir auf der traumhaften Insel Sansibar. Was ein Glück konnten wir noch einen Schlafplatz von dar es Salaam aus organisieren. Wir sind in der „Baby Bush Lodge“ in Mordosten der Insel unterkommen und waren nur etwa um die 30 Meter vom indischen Ozean entfernt. Tatsächlich sah das Meer und der Strand wie in einem Reisekatalog aus!
Den Großteil unserer Zeit auf Sansibar haben wir auch einfach mal entspannt und die freie Zeit genossen. Schön war auch, dass wir in der Lodge ein cooler Trupp aus jungen Leuten waren, die von überall herkamen. Mit denen haben wir uns gut verstanden und öfters was unternommen. Unter anderem eine Schnorcheltour, wo wir ganz tolle bunte Fische und Seesterne gesehen haben.
Weihnachten war ebenfalls mal was Neues. Am Mittag hatten drei Mädels aus Dänemark einen „Weihnachtsbaum“ aus Sand gebaut und gegen Abend sind fast alle aus der Lodge zusammengekommen und sind um den Weihnachtsbaum getanzt und währendessen wurden Weihnachtslieder gesungen. Das ist wohl eine Tradition aus Dänemark und Norwegen. Am Abend saßen wir alle nett beisammen und haben in der Lodge lecker Buffet gegessen. Dennoch muss ich sagen, dass ich mich schon auf das Weihnachten in Deutschland mit meiner lieben Familie freue. Das gefällt mir irgendwie besser!
Das waren so ungefähr die wichtigsten Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen aus Tansania. Es war wirklich ein sehr schöner Urlaub! Möchte auf jeden Fall unglaublich gerne nochmal nach Tansania reisen. Das Land hat mich sehr fasziniert!

Bald beginnt wieder die Schule! Was es dort so für Entwicklungen und Veränderungen geben wird, lasse ich Euch in meinem nächsten Eintrag erfahren.

Bis dahin nur das Beste, Eure Carlotta

Samstag, 10. Januar 2015

Bilder #4

Unser schönes Plumpsklo
Die Lehrerschat und ich
Dar es Salaam
Die Reise kann los gehen!
Unser diesjähriger Weihnachtsbaum

Dienstag, 9. Dezember 2014

02.12.14 - Eindrücke & Erlebnisse


In diesem Blogeintrag möchte ich Euch gerne mal ganz unterschiedliche Eindrücke und Erlebnisse erzählen, die ich so in den letzten Wochen gemacht habe. Schließlich bin ich ja schon 3 1/2 Monate unterwegs.

1.) Die Regenzeit beginnt langsam in Malawi und teilweise gibt es echt heftige Regengüsse. In dieser Zeit fangen die Leute an den Acker zu pflügen, damit sie anschließend säen können. Hierbei hilft die ganze Familie mit. Selbst die kleineren Kinder müssen vor der Schule (also etwa 6:00 Uhr) auf dem Feld arbeiten, damit die ganze Arbeit bewältigt werden kann. Die meisten Leute in Malawi leben von Subsistenzwirtschaft und jeder hat sein eigenes Land, um Cassava, Mais und andere Dinge anzupflanzen.


2.) Mega cool, ein "Mädchentraum" ist für mich in Erfüllung gegangen! Endlich darf ich nicht nur mir, sondern auch Jungs die Nägel lackieren! Meine Nachbarjungs fahren total darauf ab, weil in Malawi gibt es einige, die sich Nagellack nicht leisten können und somit ist es etwas Besonderes Nagellack zu tragen - auch für Jungs!

3.) Kürzlich (29.-30.11.) war ich mit ein paar Freiwilligen im "Vwaza Gamereserve" um Elefanten zu sehen, nur leider sind wir auf keine getroffen... Dafür habe ich Hippos, Warzenschweine und ganz viele verschiedenen Antilopenarten gesehen! Um dort hinzukommen, haben wir uns ein Auto mit Fahrer gemietet. Das war so angenehm, weil wir sonst immer mit dem Minibus durch die Gegend reisen müssen.
 

4.) Endlich weiß ich wie man Nsima kocht! Eigentlich müsste ich schon mal erwähnt haben, was Nsima ist - zur Sicherheit erzähle ich es aber nochmal. Nsima ist sowas wie das malawische "Nationalgericht" und wird hier jeden Tag gegessen, weil Reis, Kartoffeln oder ähnliches oftmals einfach zu teuer ist.Es besteht aus Wasser und Mehl - entweder vom Mais oder der Wurzel Cassava. Das Mehl wird so lange in das heiße Wasser eingerührt, bis eine feste breiige Masse entsteht. Ist gar nicht mal so unanstrengend. Nsima schmeckt soweit nach nichts, weshalb es immer irgendeine Beilage dazu gibt - es macht unglaublich satt!!
 

 5.) Ach ja, was wäre ein Blogeintrag, ohne das Wetter zu erwähnen! Wie schon am Anfang gesagt, beginnt langsam die Regenzeit, dennoch ist es unglaublich warm. Vor allem abends, wenn man schlafen will. Das Haus erhitzt sich durch das Wellblechdach einfach unglaublich. Es ist so seltsam für mich, wenn ich mit meinem Papa telefoniere und er mir davon erzählt, dass er gerade den Kamin angemacht hat und langsam die Weihnachtszeit beginnt. Carmen hat von ihren Eltern Weihnachtsgebäck zugeschickt bekommen, was wir ab und zu ganz andächtig essen, um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Dennoch sind wir davon meilenweit entfernt.
Es ist aber interessant zu sehen, dass mir die ganzen Weihnachtstraditionen aus Deutschland schon ein wenig fehlen. Besonders fehlt mir aber die "deutsche Gemütlichkeit", wenn ihr wisst was ich meine. :)
6.) Das wird wahrscheinlich erst mal der letzte Blogeintrag im Jahr 2014 sein, weil Carmen, Johanna und ich in den Weihnachtsferien nach Tansania an die Küste reisen wollen. Als Ziel haben wir uns die Hauptstadt Dar es Salaam gesetzt und hoffentlich Sansibar - das steht aber noch nicht ganz fest... Die Ferien enden am 4. Januar 2015 und dann beginnt "Term2". "Terms" sind sowas wie Schulhalbjahre, nur dass es hier in Malawi davon drei gibt.
 

Das wars'! Ich wünsche Euch allen eine frohe und gesegnete Weihnachtszeit. Gebt Euch nicht all zu sehr dem Weihnachtsstress hin und versucht die besinnliche Zeit zu genießen. Esst mal ein paar Weihnachtskekse für mich mit!!
 

Wie immer beste Grüße,
Carlotta


Samstag, 22. November 2014

Bilder #3


Meine "kleine" Klasse

3 Vögel auf Safari-Tour


 

Die Bücherei

Unsere neue Mitbewohnerin MOONY

Mangosaison

Der Ort Chitimba

Typischer Nachmttag: Mango essen und Bao spielen!

 

Der ganze Freiwilligentrupp

Sunset



11.11.14 - Öffentliche Verkehrsmittel in Malawi

Kürzlich (31.10.-03.11.) sind Carmen und ich für ein Wochenende nach Salima gefahren, weil dort eine Party von unseren Mitfreiwilligen stattfand und wir uns das Geschehen natürlich nicht entgehen lassen wollten. Salima ist für malawische Verhältnisse eine Stadt und liegt im Süden des Landes. Von unserem Ort Chilumba bis dorthin sind es etwa grob geschätzt um die 600km- also nicht gerade um die Ecke.
Die Feier fand im „Kuti Wildlifereserve“ statt - ohne gefährliche Tiere, dafür aber mit Strauß, Zebra und Co. War ziemlich amüsant die Feier, die Rückfahrt eher nicht so! Auf der Hinfahrt hatte zum Glück alles funktioniert, aber auf dem Rückweg wollte es nicht so recht.
Wir sind extra um 5:00 Uhr aufgestanden (nach etwa 1std. Schlaf), gefrühstückt und haben um 6:00 Uhr ein Fahrradtaxi zum Busdepot genommen. Bei einem Fahrradtaxi setzt man sich hinten auf den Gepäckträger (ist sogar gepolstert) und lässt sich durch die Gegend gurken- äußerst praktisch! 
Am Busdepot angekommen, stand auf einem Schild eines Busunternehmen, dass um 7:40 Uhr ein Bus nach Mzuzu fährt. Mzuzu ist nicht all zu weit von Chilumba entfernt und somit die nächst größere Stadt. Also ideal für Carmen und mich! 5 min. später kam ein Mann vom Busdepot zu uns und meinte: „Dieses Schild ist nicht mehr aktuell, der Bus kommt nicht. Etwa um 12:00 Uhr könnte ein Bus kommen, der nach Mzuzu fährt.“ Alleine die Worte „etwa“ und „könnte“ haben uns klar gemacht, dass wir uns auf diese Aussage lieber nicht verlassen sollten.
Also haben wir einen Minibus nach Lilongwe (Malawis Hauptstadt) genommen, weil von dort aus gute Möglichkeiten bestehen, einen größeren Reisebus nach Mzuzu zu bekommen. Diese Fahrt ging etwa um halb neun los, auch wenn wir schon um halb acht im Minibus saßen.
Man muss sich das folgendermaßen vorstellen, wenn man mit einem Minibus fährt: Ein Minibus ist ein Kleinbus  mit vier bis fünf Sitzreihen. In Deutschland würde man vielleicht höchstens 10 Insassen reinlassen. In Malawi sieht das etwas anders aus. Hier bietet ein Minibus Platz für 10-25 Personen, zwei riesige Maismehlsäcke, hier und da noch ein Huhn und was sonst noch an Gepäck transportiert werden muss. Beim Minibusfahren gibt es eine Faustregel: Setze dich niemals in einen leeren Bus rein, weil ein Bus erst losfährt wenn er komplett gefüllt ist und jede freie Ecke sinnvoll genutzt wurde. Jede Minibusfahrt ist somit ein kleines Erlebnis - jedoch beschwert man sich danach immer über Poposchmerzen, weil der Komfort eher zu wünschen übrig lässt. Schön ist auch, wenn man eine „Klischee Big - Mama“ neben sich sitzen hat, da besteht für den eigenen Hintern nicht mehr all zu viel Platz.
Nun aber zurück zu unserer Fahrt nach Lilongwe. Zum Glück hat alles funktioniert und wir sind um halb elf angekommen. In Lilongwe haben wir sogar direkt einen großen Reisebus gefunden (Minibus würde zu lange dauern) und die zwei letzten Sitzplätze bekommen. Carmen und ich super erleichtert, weil wir dachten es geht gleich los – Pustekuchen! Nach 1 ½ std. sind wir erst losgekommen. Schließlich kann man ja noch den Gang im Bus als Stauraum nutzen und reichlich Menschen dort hinstellen. Viele Menschen bedeutet automatisch mehr Geld. Auf Sicherheit wird da nicht unbedingt geachtet.
Schon als wir losgefahren sind hat bei dem Bus die ganze Zeit ein Lämpchen aufgeleuchtet und ein Signal laut gepiept. Hat den Busfahrer jedoch nicht so gestört. Gegen 17:00 Uhr (kurz vor Einbruch der Dunkelheit) musste der Bus plötzlich stoppen. Der Grund war, dass es Probleme mit den Bremsen gab. Nach kurzer Zeit konnte es dann aber doch weiter gehen, nur leider hat der Bus nach ungelogen 20m wieder angehalten, weil diesmal kein Sprit im Tank war.
Was also tun? Einfach mit den anderen Mitfahrern einen großen Laster anhalten und sich hinten auf die Laderampe setzen und damit 3 std. nach Mzuzu fahren. Dadurch das es dunkel war und wir starken Fahrtwind hatten war es extrem kalt. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich hier eines Tages noch mal in Malawi frieren werde...
Gegen sieben/acht Uhr waren wir endlich da! Ein Weiteres Problem trat auf: Die Akkus unserer Handys waren leer. Da haben wir einen Mitfahrer gefragt, ob wir doch mal bitte sein Handy benutzen dürfen. Der Herr kam aus Kenia und konnte was ein Glück gutes Englisch. Mit dem Handy haben wir „BB“ angerufen. „BB“ ist der Bruder von unserem Schuldirektor und wohnt in Mzuzu – zu ihm haben wir einen echt guten Draht. Was ein Glück konnte er uns abholen, hat jedoch auch nochmal um die 10 min. gedauert.
An der Stelle (Nähe vom Busdepot) wo wir ausgelassen wurde war leider kaum noch ein Mensch. Man stelle sich vor: zwei blonde Mädchen, mit zwei großen Rucksäcken und etwas verlorenen Gesichtern. In der Dunkelheit und so ganz alleine haben wir uns nicht unbedingt sicher gefühlt. Ab und zu haben uns auch ein paar fremde Männer angesprochen. Was ein Glück kam der Kenianer (der mit dem Handy) kurze Zeit später zurück, weil er meinte, dass man zwei junge weiße Mädels in der Dunkelheit nicht alleine lassen könnte. Er hatte nämlich bei den Männer die uns angesprochen hatte kein gutes Gefühl und hatte große Sorge, dass sie uns hätten überfallen können.
Was ein Glück ist der Kenianer bis zu dem Zeitpunkt bei uns geblieben als BB mit dem Auto angekommen ist. Ich glaube, wäre der Kenianer nicht bei uns geblieben, hätte die Situation ganz anders ausgehen können...
Das war echt ein anstrengender Tag und ich war super erleichtert, als wir sicher in Bbs Haus angekommen sind. Solch einen 14 stündigen Trip brauche ich echt nicht nochmal!
War aber definitiv eine Erfahrung wert!

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Ein mehr oder weniger „typischer“ Tag in Chilumba [Teil 2]


13:00 Die „Lunch- Break“ ist vorbei und wir gehen gut gesättigt und mit vielen neuen Eindrücken zurück in die Bücherei. Eigentlich ist uns jetzt eher nach einem Schläfchen zumute (kann auch schon mal vorkommen), aber viele Schüler kommen vorbei, um Bücher auszuleihen oder um sie zurückzugeben. 
Oftmals habe ich am Nachmittag noch Unterricht. Das ist aber meistens ziemlich anstrengend, weil die Schüler Probleme haben sich bei der Uhrzeit und der Hitze zu konzentrieren.

14:00 Eigentlich geht die Schule bis 15:00, aber meistens gehen Carmen und ich schon früher, weil es für uns nichts mehr zu tun gibt und wir es kaum erwarten können, eine erfrischende Dusche zu nehmen!

Nachmittag Unsere Nachmittage sehen  immer ganz unterschiedlich aus. Etwa zwei mal die Woche müssen wir Wäsche waschen - natürlich mit der Hand. Bettlaken und weiße Kleidung zu waschen ist mega nervig, aber man gewöhnt sich dran. Ansonsten müssen wir ganz normale Hausarbeiten, wie aufräumen, fegen und Geschirr abspülen erledigen.
Ein Mal die Woche fahren wir in den Nebenort „Uliwa“, wo ein kleiner Markt und ein Minisupermarkt ist. Dort kaufen wir Vorräte für die Woche ein. Außerdem gibt es in Uliwa einen Mann (Mr. Gondowe), der uns für eine Stunde Tumbuka beibringt.
An anderen Nachmittagen bleiben wir einfach daheim und spielen was mit den Kindern oder wir lassen sie etwas malen. Sehr gerne gucken sie sich aber auch Kinderbücher an, die Carmen und ich manchmal aus der Bücherei mitbringen.
Was wir auch 1-2 mal die Woche machen, dass wir die Frau des Schuldirektors „Monica“ besuchen. Dort ist es nicht nur sehr nett, sondern es gibt auch immer lecker Essen. Monica sagt, wir sind wie ihre Töchter und immer herzlich willkommen.

18:00 Es ist fast dunkel und wir fangen an zu kochen oder wir schreiben um diese Uhrzeit auch gerne Tagebuch. Jeder ist mal dran mit kochen und meistens teilen wir uns die Arbeit auf. Bisher gab es noch keine Streitigkeiten, wer „heute“ mit kochen dran ist.
Meistens kochen wir auf einer einfachen Elektroherdplatte. Es kommt aber öfter mal vor, das Stromausfall ist - fast jeden Tag, aber immer um unterschiedliche Uhrzeiten. Ist Stromausfall um unsere Kochzeit, müssen wir draußen mit Kohle kochen.

18:30 Essen ist fertig und es wird herrlich geschlemmt.

19:00 Wir setzen uns hinter das Haus, wo unsere Nachbarjungs und Nyapethi wohnen. Meistens sind die noch am kochen oder am essen. 
Wir reden über unseren Tag, viel über Deutschland, die malawische Kultur oder wir helfen ihnen noch ein wenig bei den Schularbeiten - ist immer ganz unterschiedlich...
Die Jungs sind alle sehr lieb und hilfsbereit und ebenfalls unglaublich interessiert an Deutschland. Ihre Lieblingsfrage ist (wurde bestimmt schon 4x gestellt): „Warum rasiert ihr euch die Beine?“. Haben gesagt, dass das viele in der „westlichen Welt“ schön finden und es so was wie ein Schönheitsideal ist. Wirklich zufrieden waren sie mit dieser Antwort aber glaube ich eher nicht.

21:00 Ein letzter Toilettengang wird vor dem Schlafen gemeinsam bestritten. Ich muss allerdings beichten, dass wir nicht auf das Plumpsklo gehen, sondern neben das Häuschen machen. Warum?? Weil schon öfters eine Fledermaus in der Dunkelheit ganz plötzlich aus dem Klo geflattert ist. Danach hat man einen kleine Schock :D

21:30 Zähne sind geputzt. Ich gehe in mein Zimmer, lese noch etwas und schalte das Licht aus.

Gute Nacht! (Ich glaube so viel Schlaf wie in Malawi werde ich in meinem ganzen Leben nicht mehr bekommen.)

Noch zwei Sachen:
1. Die Mangosaison beginnt langsam und man findet immer mehr süße Früchte - die sind so unglaublich lecker! Die Hauptsaison ist etwa von Ende November bis Mitte Januar.
2. Nyapethi hat mir kürzlich mal wieder irgendwas auf Tumbuka erzählt und ich habe es natürlich nicht wirklich verstanden. Ich frage meinen Nachbarjungen: „What did she say?“. Seine Antwort: „Oh, she said that you are fat!“
 Ich sage mal so - ist jetzt nicht wirklich ein Kompliment in Deutschland. Hier in Malawi und  
 ich glaube grundsätzlich in Afrika ist solch eine Aussage aber was Nettes und somit 
 lieb gemeint. So viel Liebe habe ich allerdings in diesem Moment gegenüber Nyapethi 
 nicht empfunden. Fett bin ich übrigens nicht. Lediglich mein Bauchumfang hat sich ein 
 wenig erweitert.

Das wars'- übrigens ein großes Dankeschön an meinen lieben Bruder Joni, der immer fleißig für mich meine Berichte und Bilder in meinem Blog hochlädt. Ich kann das nämlich aufgrund des Internets nicht machen. Also Danke Joni ;)

Samstag, 25. Oktober 2014

Bilder #2

Carmen mit lauter suessen Kindern, die bei uns im Dorf wohnen.
Sie lieben es, wenn man Fotos mit ihnen macht!

Unser Haus.

Die Frau unseres Schuldirekt Monica und ich spielen das Spiel "Bawo"- wird hier ueberall an jeder Strassenecke gespielt.

Das ist eine Lodge in Nkhatabay.

Bootstour.

Ich und meine Poserhomies ;)

Der See. Diese Strandstelle liegt nur etwa eine halbe Stunde mit dem Minibus entfernt.

 Besuch bei der Familie eines Nachbarjungen.

Die Kids freuen sich immer, wenn sie auf unserer Veranda malen können!

 Der Blick aus dem Minibus, wenn wir über einen Berg nach Mzuzu fahren.

Ich mit Nyapethi (die Nachbarin)

Montag, 20. Oktober 2014

Ein mehr oder weniger „typischer“ Tag in Chilumba [Teil 1]

5:50 Der Wecker klingelt...

6:15 …und ich muss aufstehen. Schon sehr früh steht das ganze Dorf auf den Beinen. 
Jeden Morgen fegt unsere Nachbarin Nyapethi vor unserem Haus - habe fast den Eindruck als wäre das hier Teil der Kultur, weil jeder (außer Carmen und mir) morgens am fegen ist.

6:30 Toilettengang auf dem Plumpsklo absolviert, Zähne am Wasserhahn geputzt und umgezogen. Jeden Tag trage ich Röcke (u.a. auch Chitenjes - habe die Tragetechnik jetzt raus), weil wir keine Hosen während des Unterrichtens tragen sollen. 
Zum Frühstück essen wir Weißbrot, Butter, Erdnussbutter, manchmal Bananen und seit Kurzem haben wir „hochwertigen“ Instantkaffee.

7:00 Wir müssen los zur Schule- zum Glück dauert der Weg nur 5 min. Jedoch ist es hier Brauch, dass jeder jeden begrüßt und fragt wie es ihm geht. Ein Dialog auf Tumbuka sieht folgendermaßen aus:

1. Person:„Mwawuka?“ (Wie hast du geschlafen?)
2. Person:„Nwawuka makola- kwali imwe?“ (Ich habe gut geschlafen und du?)
1. Person:„Nwawuka makola!“ (Ich auch.)
2. Person:„Tawonga chomeni!“ (Vielen dank!)
1. Person:„Yewo.“ (Danke.)

7:10 Die Schule beginnt und alle Schüler begeben sich in die Klassenräume. Eine Schulstunde dauert 40min.
Carmen und ich gehen erst mal in die Schulbücherei (die jetzt endlich fertig ist!) und bereiten uns dort auf den Unterricht vor. Ich unterrichte am Tag etwa 1-2 Schulstunden. In meiner Klasse sitzen um die 60 Schüler - hätte ich mir in Deutschland ehrlich gesagt vorher nicht zugetraut, so viel Schüler zu unterrichten. Auch wenn es oftmals sehr anstrengend ist, habe ich eine Menge Spaß mit den Schülern!

7:50 Die ersten Schüler kommen in die Bücherei und leihen bevorzugt Walt Disney Kinderbücher wie z.B. das „Jungelbuch“ oder „König der Löwen“ aus. Insgesamt haben wir etwa 2000 Bücher und zu jedem Themenbereich findet man etwas.
Oftmals kommen die Schüler aber auch einfach nur zum schnacken vorbei und es haben sich schon so etwas wie Freundschaften zwischen den Schülern und uns gebildet. Die meisten Schüler sind gegenüber uns  sehr aufgeschlossen und unglaublich an Deutschland interessiert.
Kürzlich kamen ein paar Schüler zu mir und wollten fragen, ob es möglich ist über Brieffreundschaft, so etwas wie Freunde in Deutschland zu haben. Ich meinte, dass ich gucken muss, was sich machen lässt.

Lieber Leser, ihr seid jetzt gefragt! Falls es jemanden von euch geben sollte, der insgesamt vielleicht 5 Briefe im Jahr mit einem malawischen Schüler austauschen würde, wäre das super. Es geht hier nicht um finanzielle Unterstützung (aus wenn es passieren kann, dass die Schüler euch nach Geld fragen), sondern einfach um den Austausch. Ich denke, dass man vieles voneinander lernen kann und die Schüler würden sich unglaublich freuen, einen Freund in Deutschland zu haben. Alle Interessierten bitte über E-Mail, Facebook oder Skype bei mir melden. Ich sage hier an dieser Stelle schon mal DANKE!

… Die Zeit bis zur „Lunch- Break“ vergeht ziemlich flott. Es wird gequatscht, gelesen, Unterricht vorbereitet, Bücher sortiert...

11:20 Ich habe eine Unterrichtsstunde. Außentemperatur beträgt meistens um die 30°C - ist also mit 60 schwitzenden Jugendlichen in einem Raum nicht so lecker. Mit einem lauten „Good Morning Madame“ werde ich begrüßt. In der Schule sollen mich die Schüler „Madame“ nennen, was am Anfang ziemlich seltsam für mich war. Außerhalb der Schulzeit lege ich aber Wert drauf, dass ich Carlotta genannt werde.
Meistens läuft eine Schulstunde so ab, dass wir am Anfang den Inhalt der letzten Stunde wiederholen. Dann wird ein neues Thema begonnen und ich stelle den Schülern Fragen. Leider beteiligen sich nicht alle am Unterricht, weil noch viele Schüler große Probleme mit Englisch haben. Den Einen oder Anderen musste ich auch schon mal aufwecken, weil er/sie eingepennt ist - hat hoffentlich mit der schlechten Luft im Raum, und nicht mit meiner Unterrichtsart, zu tun. 
Der Unterricht vergeht wie im Fluge...

12:00 … und es klingelt zur „Lunch- Break“. Carmen und ich gehen in ein Art Lehrerzimmer und essen dort gemeinsam mit den Lehrern. Zum Essen gibt es Sima mit Bohnen. Das Essen befindet sich in zwei Plastikeimern - nur leider ist das Sima so heiß, dass wir es nicht schaffen, es mit unseren Händen herauszuholen. Also müssen die Lehrer helfen. Ohne deren Hilfe wären wir womöglich schon längst verhungert.
In der Pause findet sich immer etwas Zeit mit den Lehrern über „Gott und die Welt“ zu sprechen. Ein unglaublich interessantes, aber auch für uns verrücktes Thema ist „Witchcraft“ und Heiler.

Eine Story dazu ist zum Beispiel: Wirst du von einem Skorpion oder einer Schlange gebissen, solltest du zu Mr. Gondwe gehen. Dieser Mann ist Lehrer- hat aber von seinem Vater gelernt, wie man Menschen heilen kann, die von solchen Tieren gebissen wurden. Mit seiner Hand streicht er über die „Bissstelle“, nimmt den Schmerz und schmeißt ihn gegen einen Baum. Danach solltest du aber auf keinen Fall den Baum anfassen - andernfalls wird dieser Schmerz auf dich übertragen.

Das die meisten von euch jetzt schmunzeln werden, vielleicht sogar lachen, kann ich verstehen. Carmens und meine Reaktion fiel ähnlich aus. Im ersten Moment dachten wir, dass die uns komplett „veräppeln“ wollen, bis wir gemerkt haben, dass die das total ernst meinen. 
Für uns ist dieses Handeln/Denken immer noch seltsam und wird auch immer seltsam bleiben, aber wahrscheinlich ist das Teil deren Kultur. Dieser Aberglaube wird von Generation zu Generation weitergegeben und gehört zu ihrem alltäglichen Leben dazu. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sich tatsächlich viele durch die Hilfe des Heilers besser fühlen, aber nur durch den „Placebo- Effekt“ - wer weiß.
Eine andere echt verrückte Geschichte ist Folgende:

Es besteht die Möglichkeit zu einem „Witchdoctor“ zu gehen und mit ihm an jeden Ort dieser Welt zu fliegen. Dafür bestehen aber gewisse Bedingungen. Fliegen kann man nur in der Nacht, außerdem muss man nackt sein. Als Gefährt/ „Flugzeug“ dient einem ein Löffel oder ein flacher Korb auf den man sich mit mehreren Leuten setzt. Dann kann die Reise los gehen und jeder fliegt an einen anderen Ort seiner Wahl. Ich könnte zum Beispiel nach Deutschland fliegen und Euch alle besuchen (wenn ich das wollte). Jetzt denkt ihr bestimmt, ich will euch auf den Arm nehmen, aber die Geschichte ist wahr. Fragen wir hier Leute, ob sie an „Witchcraft“ glauben, fällt die Antwort meist ähnlich aus: „Wir glauben nicht an Witchcraft, aber wir denken, dass es existiert.“

Ich denke, dass man sich die malawische Art des „Fliegens“ nicht mit normalen Menschenverstand erklären kann, sondern diesen Teil der Kultur einfach akzeptieren muss. Bitte haltet die malawische Bevölkerung jetzt nicht für verrückt! Sie sind ganz normale Menschen, so wie du und ich, nur dass sie an einen altmodischen Glauben festhalten.

Liebe Leser, ich bedanke mich ganz herzlich fürs' Lesen und euer Interesse! Ich kann euch beruhigen - mir geht es gesundheitlich gut und auch meine Schulter ist durch die Medizin von alleine geheilt.
Ansonsten lässt sich zu Malawi (bzw. Chilumba) sagen, dass es hier unglaublich heißt ist - eigentlich ist man dauerhaft am schwitzen, so dass am Tag 2-3 Mal geduscht wird.

[Teil 2] zu meinem Tagesablauf in Chilumba folgt bald. Ich behaupte einfach mal, dass dieser Blogeintrag fürs' Erste reicht.
Es grüßt Euch ganz lieb Carlotta, die einfach schon seit 2 Monaten in Malawi ist